Recycling Ride: Bauen wir das günstigste DIY Splitboard ever?

In den letzten Jahren hat der Wildschnee Markus ja schon viel gebaut: Zweiteiler, Dreiteier und Powdersurfer – aus Carbon, Holz und alten Zeitungen. Also haben wir für 2022 nach einer neuen Challenge gesucht. Dieses Jahr soll es etwas ganz besonderes werden: Das billigste Splitboard ever, gebaut mit einfachsten Mitteln.

Denn wenn wir mal ganz ehrlich sind, ist dieses Tourengraffel sauteuer. Für das, was da in der Früh im Auto liegt, hätte ich meinen ersten Polo vermutlich drei Mal kaufen können. Und der hat mich immerhin ohne Schweiß ans Ziel gebracht.

Also haben wir nach Alternativen zum Gucci-Lifestyle gesucht. Fürs Spitzing langt des locker. Prämisse war: ein funktionierendes Splitboard zu bauen und das so günstig wie möglich.

Bei dem ersten wär sogar eine Tasche dabei gewesen

Dafür lohnt es sich, schon im Mai oder Juni mit dem Projekt anzufangen, also dann, wenn die Preise fürs Equipment so richtig im Keller sind. Der Sweetspot für ein gebrauchtes Snowboard mit Bindung liegt ziemlich genau bei 50 Euro. Drunter wird’s richtig grausam aber sehr viel mehr muss es auch nicht sein. Wir schoppen uns also zwei Freerideboards und achten auf die üblichen KPIs: Holzkern, Freerideshape, Wideboard, Kante intakt und noch so viel Belag, dass sich das Ausbessern lohnt.

Es werden Ride Boards

Rausgekommen sind wir bei einem Ride Fleetwood 168 und einem Ride 165 Highlife. Es hätte aber auch noch ein Magnum oder Burton gegeben. Übrigens: je länger die Gurke ist, umso mehr Spielraum bleibt, um sich kreativ auszutoben.

Dann ist erst mal lange nichts passiert. Erst war der eine Fuß kaputt, dann die andere Schulter. Also isses wieder November. Aber irgendwann geht’s dann doch endlich los:

Kein Brett kommt aus diesem Keller wie es war
Erst mal das Werkzeug auf Vordermann bringen
Dann penibel die Mitte anreißen
Die Markierung sitzt
Nicht zu übersehen
Anreißen und immer wieder messen, messen, messen – hier die Entfernung vom Blatt zur Latte
Und dann endlich an der Richtlatten entlang durch die Mitte.

Kreissäge, weil einfach, schnell und günstig. Mit einer Bandsäge geht weniger Material am Brett verloren, aber die haben nur wenige Leute daheim rumstehen. Also heute die Bastler-Version. Beim Wideboard passt das am Ende schon irgendwie. Hoffen wir.

Kleiner Tipp an dieser Stelle: Einmal die Säge ansetzen und dann durchziehen. Beim neuen Ansetzen entsteht meist ein Versatz und das ist das Letzte, was du brauchst, wenn die beiden Boardhälften am Ende sauber zusammenpassen sollen.

Gut zu sehen: die Kreissäge nimmt ganz schön viel weg

Bei den Rundungen an Tip und Tail funktioniert die Kreissäge nicht. Hier brauchen wir eine Alternative, aber einer der zentralen Sätze bei diesem Umbau lautet: „Da tu ma jetzt gar nicht lang rum.“ So geht’s direkt mit der Flex zuerst an die Kante und dann ins Holz. Funktioniert auch.

Wichtig: vorher Schnittfläche kühlen.
Huuuiii, das bitzelt

Auch wichtig: unbedingt Handschuhe anziehen. Die Boards haben meist eine Lage Glasfaser und die Späne sorgen dafür, dass die Glupperl spätestens 30 min nach dem Schneiden sauber des Jucken anfangen.

Kleine Überraschung: Double Inserts. Kann schon mal vorkommen und schlägt dann Funken.
Damage done

Da die Sägeblätter von Flex und Kreissäge unterschiedlich dick sind, müss ma im Anschluss für eine gerade Schnittfläche sorgen, damit beide Hälften am Ende so sauber zusammenliegen wie Herbert und Schnipsi beim Löffelchen machen.

Schleifklotz

Dann wird natürlich noch das zweite Board massakriert. Zwischendurch fragt der Chef: „Welchen von den greißligen Dampfern willst du eigentlich haben?“
„Den wo du weniger Fehler machst“ war die falsche Antwort.

Ohne Swallowtail geht natürlich nix
Auf der Suche nach dem Mittelpunkt: Da isser!

Und genau da kommen später die Touring Brackets hin. D.h. wir können uns schon langsam Gedanken darüber machen, wie wir die beiden Boardhälften wieder zusammenbekommen.

Klammer hilft
Genauso wie eine alte Disc

Damit lassen sich die beiden Boardhälften optimal fixieren, um die Bohrlöcher für die Hooks richtig zu setzen. Im Wildschneekeller fliegen von den Teilen immer ein paar rum. Die sind schnell befestigt.

Ja, und Tipclips braucht’s natürlich auch noch.

Zwischendurch lohnt es sich, den guten Mipa Lack auszupacken und ein paar mal über die Schnittflächen zu gehen. So bleibt der Holzkern trocken und gammelt einem nicht unter dem Fuß davon. Dem Meister ist das aber alles ein bisserl zu fad und so fräst er sich vor lauter Langeweile ein Wingertail in eines der Bretter.

Überragender Style, Performance eher so semi

Ja und dann fehlen noch Felle und Pucks. Aber auch die finden sich noch zwischen abgelaufenen Joghurts und leeren Limotragerln. Dadurch verfälscht sich das Ergebnis ein wenig, denn sicher gibt es billigere Alternativen, als das, was jetzt auf die Better geschraubt ist – wenn das Zeug aber eh noch rumliegt, sieht die Sache anders aus.

Dann noch an der Nose die Felleinhängung ausfräsen und schon simma mehr oder weniger fertig.

Damit sind beide Bretter exakt gleich lang

Aufstiegs- und fahrbereit sind die Planken jetzt. Was noch fehlt, ist eine Bindung, die den DIY-Style aufgreift, funktioniert und richtig billig ist. Ja und genau da liegt auch der Knackpunkt: Im Gegensatz zu den Brettern ist des gar nicht soooo easy zu realisieren. Aber ein paar Gedanken dazu kreisen schon durch unsere alten Schädel. Evtl. gibt’s hierzu demnächst noch ein Update.

Kurzer Zwischenstand:

Brett ca. 30 €/Stk.
Spark R&D Sliderpucks 85 €
Spark R&D Tip Clips 22 €
Wildschnee Verbinder light 27 €
Das sind: 164 €

Dazu kommen noch die Touring Brackets. Hier ist jetzt der Einfachheit halber das Tesla T1 Second Board Kit für 69 € draufgeklatscht. Aber es geht auch etwas günstiger: Das Wildschnee DIY Bracket für Bindungen mit Pin liegt bei 23 €. Dazu kommt dann noch eine Steighilfe, die Voile für 38 € feilbietet.

Der größte Posten sind die Felle. Geht es um jeden Cent, gibt’s nur das Kohla Zuschneidefell. Da kosten 3,3 Meter Fell 86 €. Dazu kommt noch das I Fix Spannsystem für 24 Tacken und ein Packerl U-Haken für 6,5. Das sind zusammen 116,50 €

Die günstigste Fertig-Alternative ist das Peak Splitboard Universal Fell von Kohla. Kostenpunkt 138 € für das Fell inkl. Einhängung vorne und hinten.

Damit wären wir inzwischen bei 349,50 € für Board, Fell und Hardware – wenn wir die Split-Hardware regulär zum VK eingekauft hätten.
Dann fehlt theoretisch noch ein Slidertrack mit Pin, aber da wir eh Spark Bindungen haben, können wir uns diese 69 € sparen.

Die allergünstigste Lösung wäre:
Brett und Bindung gebraucht für 50 €
Voile Splitkit DIY für 180 €
Felle für 116,50 €
So kommen wir auf 346,50 € für ein komplettes Setup.

Dabei ist das Wichtigste doch eigentlich, ob die Boards auch im Schnee performen. Das rot/weiße war schon im Einsatz und wie das ausgegangen ist, steht im Tourenbericht zum DIY-Test.

Viel Spaß damit!

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