Aiplspitz 22

Ja gut, jetzt hat’s da noch mal draufgeschneit. Letztes Wochenende war’s zwar etwas dürftig, aber wider besseren Wissens hat uns die Hoffnung auch am dritten Adventssonntag ins Spitzing getrieben. Dieses Mal links rauf Richtung Taubenstein. Und wenn sich jetzt jemand fragt: Wie früh musst du eigentlich unterwegs sein, um am Spitzing die erste Spur legen zu können? Dann ist die Antwort: 6 Uhr. Um die Zeit ist im Spinnradl schon Schicht und am Parkplatz tummeln sich nur die Schneeflocken. Davon aber reichlich und kalt isses. Puhhh.

Geplant ist eine Tour rund um die Aiplspitze mit drei bis vier Aufstiegen. In Summe kommen die auf gut tausend Höhenmeter.

Mit Hirnbirn geht’s nach oben und das ist erst mal ziemlich verwirrend. Denn die Flocken, die von der LED angestrahlt werden, erscheinen als extrem helle Streifen im Sichtfeld. Der Hintergrund wirkt dadurch wesentlich dunkler und die Orientierung wird etwas schwammiger. Unter der Taubensteinbahn ist das aber kein Ding. Hier kann sich niemand verlaufen.

Aber es gibt ja auch andere Herausforderungen. Ein loses Bracket zum Beispiel

Der Barrasspezialdolch regelt wie immer souverän. Aber das wird nicht der letzte Einsatz heute.

Auf dem weiteren Weg nach oben stoßen wir mit den Stöcken immer wieder auf etwas Hartes. Wir diskutieren hin und her, hoffen auf Eis und fürchen, dass es doch Steine sind. Optisch ist zwar alles schön weiß, aber es gibt eigentlich keine nennenswerte Unterlage. Nun ja, beim Runterfahren werden wir es herausfinden.

Irgendwann wird es heller, aber wir stochern durch eine derart zähe Suppe, dass einfach keine Konturen erkennbar sind. Immerhin finden wir die Schnittlauchmoosalm. Bis hierhin hatte ich das noch mehr oder weniger im Kopf, aber den Rest der Tour kenn ich auch nicht. Laut Beschreibung geht’s jetzt rechts weg. Das Handy liefert an dieser Stelle keine weiteren Erkenntnisse.

Also vertrauen wir einfach darauf, dass Karten und Tourenbeschreibung bei besserem Wetter entstanden sind und ziehen weiter. Und tatsächlich: wenige Minuten später stehen wir am Start unserer ersten Abfahrt:

Keine Spur, frisches Weiß, ein freundliches Gefälle – so haben wir uns das vorgestellt.

Noch kurz umbauen und los geht’s:

Dort, wo der Hang von links herunterkommt, ist die Gaudi schon wieder vorbei, denn da geht’s als nächstes rauf. Umbau 2 ist genauso kalt wie der erste und ich zieh meine dicken Fäustlinge an, um die Finger wieder halbwegs warm zu bekommen. Immerhin waren wir so schlau, die Felle beim Abfahren unter der Jacke zu parken. Wäre der Kleber kalt geworden, hätten wir nur davon träumen können, sie wieder auf den Belag zu pappen.

Was hier noch so entspannt aussieht, steilt kurze Zeit später auf und wird ziemlich ungemütlich: Auf diesem Abschnitt liegen ca. 30 cm Pulver, allerdings ohne Verbindung zur eh schon dürftigen Unterlage. Im Steilen rutscht der Schnee beim Spuren einfach weg und wir kämpfen uns mit wüsten Flüchen den Kleinmiesing rauf. Auch dort, wo wir den Gipfel vermuten, ist alles konturlos und weiß. Also gleich wieder runter. Fotografieren bleibt heute eine ziemliche Glückssache: Der Sucher ist beschlagen, die Kamera voller Schnee und lang stehenbleiben will auch keiner.

Sieht deutlich besser aus als es ist: Der Powder ist hier so so fluffig, dass er fast keinen Widerstand bietet. Wenn davon 2 Meter übereinander liegen, gibt’s nix besseres. Bei 30 cm schlägt man dagegen immer wieder unkontrolliert auf den Boden durch. Nun ja, besser als daheim ist das allemal.

Umbau 4 findet am selben Fleck statt, an dem wir uns vorher schon für den Aufstieg fertig gemacht haben, dann müssen wir unsere erste Abfahrt zurückstapfen. Auch dieser Teil beginnt sehr harmlos, doch die letzten Meter haben’s in sich. Mit leeren Akkus hatschen wir sehr langsam durch eine immer steiler werdende Flanke. Abfahrtsspuren sind zwar mittlerweile vorhanden, aber die eignen sich nur teilweise für den Aufstieg.

Beim fünften Umbau des Tages schwindet die Magie dieser Zeremonie ein wenig. Mein rebellierender Magen wird mit einem Nougat-Marzipan-Baumstamm ruhiggestellt, doch die nächste Herausforderung wartet schon: eine Schneedecke, die oberhalb der Schönfeldalm toll aussieht und kaum trägt. Schlimmer wird’s eigentlich nur auf den letzten Metern von der Schönfeldalm bis zum Parkplatz. Auf diesem Stück rutscht halb München über Gras und Felsen, was dafür sorgt, dass dem Schneegott jede Menge Material geopfert wird.

An dieser Stelle ein Hoch auf mein 30 Euro Brett. Das hat mittlerweile mehr Kratzer als Belag, doch genau für solche Tage gibt’s den Hobel.

So fällt der Rückblick etwas durchwachsen aus: Der Schnee müsste sich jetzt setzen, dann wär das eine feine Unterlage. Beim sechsten Umbau wird klar, dass das nicht die optimale Tour für Splitboards ist. Komisch eigentlich, denn die kommt direkt aus dem grandiosen Guide vom Mr. Rotter. Wahrscheinlich bin ich der größte Fan dieses Werks, aber die Tour müsste da nicht drin stehen.

Doch so haben wir uns Glühwein und Lebkuchen redlich verdient. Mal schauen, was uns nächstes Wochenende einfällt.

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